Stille Geburt nach HG

Sonja2, Mittwoch, 14. August 2019, 15:25 (vor 64 Tagen) @ Floe

Liebe Floe,

es tut mir leid, es hat ein bischen gedauert, bis ich jetzt die Ruhe fand zu antworten. Zunächst: Du hast geschrieben, dass die letzte Schwangerschaft in keinem Vergleich zu den früheren Schwangerschaften stehen würde - in der letzten hast Du "nur" 10 Mal am Tag erbrochen. Habe ich das richtig verstanden? Das ist viel! Ich fand das nach den Schwangerschaften so bezeichnend, wenn ich mit einem Magen-Darm-Infekt zum Arzt bin. Wenn ich mich nur drei Mal übergeben hatte und das auch nur für ein oder zwei Tage, dann wurde mir bereits sehr zuvorkommend eine Infusion angeboten, denn ich habe ja Flüssigkeit verloren. Aber 10 Mal in der Schwangerschaft pro Tag erbrechen über Wochen und Monate führt leider nicht zu der gleichen Schlussfolgerung, dass hier sofortiger Handlungsbedarf besteht - so jedenfalls habe ich Deine Schilderung Deiner Krankenhausversorgung verstanden.

Du hast nach der Wirkung des Ondansetrons (Handelsname z. B. Zofran) gefragt. Ehrlich, ich fühlte mich zwischenzeitlich wie ein Pharmavertreter, wenn ich von diesem Medikament sprach. Ich habe noch nie ein Medikament genommen gehabt, das so präzise wirksam war. Exakt nach einer Viertelstunde setzte die Wirkung ein. Und diese Wirkung war enorm. Vielleicht ist das bei anderen Frauen anders, aber so habe ich das erlebt. Einmal schwärmte mein Frauenarzt vom Ondansetron - er hatte einen Magen-Darm-Infekt und hatte es deshalb erstmalig selber genommen. Auch er war richtiggehend begeistert und dann saßen wir da im Sprechzimmer und haben uns gegenseitig geschildert, als wie zuverlässig wir dieses Medikament erlebt haben. Aber es ist kein Bonbon. Es macht richtig Verstopfung und es kann zu Herzrhythmusstörungen führen (besonders zu beachten, wenn zuvor aufgrund der Austrocknung die Elektrolyte durcheinandergeraten sind). Aber für mich war es ein Segen. Ich schilderte ja bereits, dass ich zunächst mit Meclozin begonnen habe. Zudem hatte ich auch da schon ambulant Flüssigkeitsinfusionen erhalten. Mein Problem war nämlich, dass ich erbrach, sobald ich flüssigere Nahrungsmittel zu mir nahm oder etwas getrunken habe. Flüssigkeit blieb einfach nicht in meinem Körper. Deshalb habe ich über Monate Infusionen erhalten. Dann habe ich Ondansetron verordnet bekommen, weil es mir zunehmend schlechter ging. Als es mir nach einigen Tagen mit Ondansetron noch schlechter ging als zuvor unter Meclozin habe ich von Ondansetron wieder auf Meclozin gewechselt. An diesem Vormittag habe ich ungelogen im Viertelstundentakt erbrochen - über Stunden. Das war die Hölle. Da wusste ich dann auch, dass Ondansetron hilft. Mir wurden 4 mg verordnet - heute weiß ich, dass andere Betroffene 8 mg erhalten. 4 mg half mir deutlich gegenüber Meclozin, aber nicht ausreichend.

Mir sind noch zwei Sachen eingefallen bezüglich Deiner Todgeburten/Abgänge.

1) Ich weiß, dass es immer wieder diskutiert wird, ob die HG das Risiko für eine unglücklich endenende Schwangerschaft erhöhen könnte. Hier ist die Studienlage uneinheitlich. Darüber hinaus aber gibt Hinweise darauf, dass die Plazenta unter der HG nicht immer so gut arbeitet könnte, wie sie sollte. Und es kann sein, dass die HG - im zweiten Trimester - ein erhöhtes Risiko für Plazentaablösung darstellt. Dafür spricht wohl diese Untersuchung an immerhin über zwölftausend (12 270) von HG betroffenen Schwangeren. Diese Untersuchung konnte aufzeigen, dass für das sehr seltenen Ereignis der Plazentaablösung ein dreifach erhöhtes Risiko besteht, wenn die Schwangeren im 2. Trimester an HG leiden.

"The strongest risk associations were found in pregnancies with hyperemesis gravidarum in the second trimester, when compared to pregnancies without hyperemesis gravidarum. The study found that there was a doubled risk of preterm pre-eclampsia (0.6% vs 1.4%), a threefold risk of placental abruption (0.4% vs 1.1%) and a 39% increased risk of a SGA baby (2.4% vs 4%)."

2) Das andere ist, das Glukoseinfusionen nach längeren HG-bedingten Fehlernährungszuständen ein Risiko darstellen - vor allem für die Mutter, aber auch für das Ungeborene. Das müsste ausreichend bekannt sein, dennoch bekomme ich immer wieder mit, dass Betroffene Glukoseinfusionen erhalten, ohne dass der Infusion ein B-Vitamin (Thiamin) zugefügt wurde.

FORTSETZUNG FOLGT


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