Agyrax, Schwindel und Entspannung

Sonja2 @, Montag, 22. Juni 2020, 23:26 (vor 14 Tagen) @ Inge

Hallo, liebe Inge,

Du hattest ja schon vor 3 Wochen hier geschrieben, dass Du an Deine Grenzen gerätst. Es tut mir so unendlich leid für Dich, dass Du offensichtlich weder Unterstützung noch Verständnis erfährst.

Wenn Du schreibst: „ich könne ja zum Hausarzt oder zum Psychologen gehen“, dann verrät das ja einiges über die Einstellung und Haltung Deiner Ärztin. Wobei ich ihre Meinung tatsächlich in dem Punkt Hausarzt teile: die Hausärzte können einen wichtigen Anteil an der Versorgung übernehmen. Der Hausarzt oder Internist kann Deine Blutwerte kontrollieren (nicht nur die Schilddrüse, sondern auch mal einen Blick auf die Elektrolyte werfen), er kann eine vernünftige Differenzialdiagnostik betreiben, er kann Dir Infusionen geben und er kann Dir auch alle Medikamente verordnen, die gegen eine HG wirksam sind.

Der Tipp mit dem Psychologen ist ja nett – wie sollst Du in diesem Zustand eine psychotherapeutische Sitzung durchstehen? Unterstützung in der Krankheitsbewältigung ist gut und sinnvoll, wenn die Betroffene in der Lage ist, dies körperlich zu bewältigen, ohne dass die physische Anstrengung die Symptomatik verstärkt. Da die HG sowohl depressive Symptomatik wie auch Angst ALS FOLGE der Erkrankung hervorrufen kann, kann eine psychotherapeutische Unterstützung durchaus indiziert sein. Doch sollte man dabei schon im Auge behalten, dass die größere psychische Entlastung in einer effektiven somatischen Therapie und einer empathischen medizinischen Begleitung liegt. Und so, wie Du Deine Ärztin schilderst, sieht es ja ohnehin nach einem anderen Denkansatz aus: nämlich dass Du nur deswegen noch in der 12. SSW spuckst, weil Du ein psychisches Problem hast. Dazu ist zu sagen, dass die Hypothese, dass die HG durch psychische Konflikte bedingt sei, zumindest mal stark in Zweifel zu ziehen ist. Aktuelle Studien können aufzeigen, dass die HG Auswirkungen auf die Psyche hat, aber dass nicht davon auszugehen ist, dass sie eine psychisch bedingte Erkrankung darstellt. Insofern ist auch nicht damit zu rechnen, dass ein Termin beim Psychologen gegen die HG-Symptomatik hilfreich sein könnte (außer natürlich, Du hast gar keine HG, sondern eine Essstörung, aber danach klingt es ja nun wahrlich nicht).

Also: Psychologe zur Unterstützung der Krankheitsverarbeitung kann in bestimmten Fällen hilfreich sein – sofern das körperlich machbar ist - aber zur Therapie der HG gäbe es wahrlich effektivere Ansätze. Und wenn es darum ginge, differenzialdiagnostisch eine Essstörung auszuschließen, dann wäre es doch schön, wenn dieselbe Sorgsamkeit bezüglich der Differenzialdiagnostik auch den anderen Bereichen gelten würde.

FORTSETZUNG FOLGT


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